Förderung von Start-ups der nachhaltigen Chemie
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Innovationen mit nachhaltiger Chemie

Machbarkeitsstudie für finanzielle Förderinstrumente für Start-ups

  • 10/2023 - 09/2025

Chemikalien prägen nahezu alle Wirtschaftssektoren und viele Wertschöpfungsketten. Mit steigenden Produktionsmengen erhöhen sich auch unerwünschte Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Zugleich steigen die Anforderungen an Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Kreislauforientierung. Nachhaltige Chemie setzt genau hier an. Sie adressiert den gesamten Lebenszyklus von Stoffen, Materialien, Verfahren, Produkten und Dienstleistungen. Ziel sind geschlossene Stoffkreisläufe, hohe Gesundheits- und Umweltstandards sowie belastbare Lösungen für gesellschaftliche Bedarfe innerhalb planetarer Grenzen.

Start-ups der nachhaltigen Chemie können wichtige Transformationsbeiträge leisten

Start-ups der nachhaltigen Chemie entwickeln neue Technologien, Materialien, Verfahren und Geschäftsmodelle. Sie können damit erhebliche Beiträge zur Transformation der Chemieindustrie leisten. Ihr Potenzial wird jedoch bislang nicht ausreichend ausgeschöpft.

Die Studie zeigt, dass junge Unternehmen in diesem Feld mit besonderen Hürden konfrontiert sind. Dazu zählen hoher Kapitalbedarf, lange Entwicklungszyklen, frühe Validierungsbedarfe, regulatorische Anforderungen und der Zugang zu Labor-, Technikum- und Pilotinfrastruktur. Förderung und Finanzierung müssen deshalb stärker mit Infrastruktur, Beratung, Transfer und Wirkungsmessung verzahnt werden.

Förderlücken im Bereich der nachhaltigen Chemie systematisch untersucht

Im Projekt wurden Start-up-Landschaft, Finanzierungsbedingungen, Unterstützungsangebote, Infrastrukturbedarfe und rechtliche Rahmenbedingungen im Bereich der nachhaltigen Chemie analysiert. Die Ergebnisse zeigen ein heterogenes Feld chemienaher Gründungen mit breiter sektoraler Streuung. Viele Start-ups adressieren Materialien, Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen sowie Spezialchemikalien. Der Grad der Nachhaltigkeitsverankerung unterscheidet sich jedoch deutlich.

Besonders kritisch sind Lücken zwischen technischer Machbarkeit, Marktvalidierung, Infrastrukturzugang und Anschlussfinanzierung. Bestehende Programme decken diese Bedarfe häufig nur teilweise ab. Dadurch entstehen Brüche im Entwicklungsweg von frühen technologischen Potenzialen zu tragfähigen Geschäftsmodellen und skalierbaren Lösungen.

Strategieoptionen für ein wirksames Förderökosystem

Auf Grundlage der Analyse wurden vier konkrete Strategieempfehlungen für Förder- und Finanzierungsinstrumente entwickelt:

  1. Marktorientierte Validierungsförderung: Sie soll forschungsnahe Gründungsteams frühzeitig dabei unterstützen, Marktbedarfe, Kundschaft, Geschäftsmodelle, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeitswirkungen realitätsnah zu prüfen.
  2. Modulare ideelle Förderung: Sie soll Start-ups Zugang zu qualitätsgesicherter Beratung verschaffen, etwa zu Regulatorik, Sicherheit, Zulassung, Nachhaltigkeitsbewertung, Geschäftsmodellentwicklung, Marktzugang und Skalierung.
  3. Infrastrukturförderung: Sie adressiert den Engpass bei Labor-, Technikum- und Pilotinfrastruktur. Empfohlen werden sichtbare Zugänge zu bestehenden Kapazitäten, gemeinsame Shared-Lab- und Technikum-Strukturen sowie direkte Unterstützung für Start-ups mit validiertem Infrastrukturbedarf.
  4. Chemiespezifische Programmlinie oder Branchenfonds: Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass kurzfristig vor allem eine chemiespezifische Programmlinie in bestehenden Instrumenten geprüft werden sollte. Perspektivisch bleibt ein eigenständiger Branchenfonds eine Option, insbesondere für kapitalintensive Scale-up- und Demonstrationsphasen.

Ergänzend empfiehlt die Studie strategische Querschnittsmaßnahmen. Dazu gehören die stärkere Gründungssensibilisierung und Qualifizierung im Wissenschaftssystem, der Aufbau thematischer Entwicklungspfade für Start-ups in der nachhaltigen Chemie, ein praxisnaher Messrahmen für ESG- und Impact-Bewertung sowie ein programmbezogenes Wirkungsmanagement.

Die empfohlenen Ansätze sollen bestehende Förderstrukturen anschlussfähig weiterentwickeln, öffentliche und private Mittel gezielter mobilisieren und die Skalierung wirkungsstarker Lösungen der nachhaltigen Chemie beschleunigen.

Impulse für die Chemieagenda 2045

Zentrale Erkenntnisse der Studie sind in die Chemieagenda 2045 von BMWE und BMUKN eingeflossen. Damit leistete das Projekt einen Beitrag zu einem bundespolitischen Prozess, der Innovation, Investitionen und Transformationsfähigkeit der Chemieindustrie in Deutschland stärken soll.

Das Projekt wurde gemeinsam mit der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V., Dr. Linda Bergset und Redeker Sellner Dahs Rechtsanwälte Partnergesellschaft mbB durchgeführt.

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