Wie wird der Gebäudesektor klimaneutral?

Facts & Figures: Klimaschutz durch Gebäudeautomation

10. November 2021

Gebäude sind einer der Hauptverursacher von CO2-Emissionen in Deutschland. Sie sind für ein Drittel des Endenergiebedarfs in Deutschland verantwortlich. Für die deutsche Klimapolitik ist der Gebäudesektor deshalb ein zentraler Baustein.

In der bisherigen Diskussion standen vor allem die energetische Sanierung (Dämmung, Tausch von Fenstern, etc.) sowie die Dekarbonisierung der Energieträger (Gas und Öl) im Mittelpunkt.

Aber auch digitale Technologien im Gebäudesektor (Gebäudeautomation) können erheblich zur Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Emissionen beitragen. Ihre Rolle für den Klimaschutz wurde bisher jedoch nicht systematisch ermittelt.

Das Borderstep Institut hat daher in mehreren Studien die CO2-Einsparpotenziale von Gebäudeautomation in Deutschland analysiert.

Facts

  • Im Jahr 2020 verursachte der Gebäudesektor in Deutschland 118 Mio. Tonnen CO2-Emissionen. Das sind rund 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland.
  • Laut Klimaschutzgesetz müssen diese Emissionen bis zum Jahr 2030 auf 67 Mio. Tonnen sinken und damit nahezu halbiert werden.
  • Dies kann nur durch die Kombination verschiedener Maßnahmen gelingen.

Emissionsminderungsziel für den Gebäudesektor


In der Studie Klimaschutz und Energieeffizienz durch digitale Gebäudetechnologien für den Branchenverband Bitkom untersuchte das Borderstep Institut die Rolle von digitalen Technologien für den Klimaschutz im Gebäudesektor. Tragen digitale Technologien zu einer Senkung des Energieverbrauchs in Gebäuden bei? Welchen Anteil haben sie bei der Erreichung der Klimaschutzziele?

Facts

  • Durch den Einsatz von Gebäudeautomation in Wohn- und Nicht-Wohngebäuden können kurz- bis mittelfristig (2030) bis zu 14,7 Mio. t CO2-Emissionen im Gebäudesektor eingespart werden.
  • Dies entspricht fast 30 Prozent des im Klimaschutzgesetz formulierten Reduktionsziels von 51 Mio. t. für den Gebäudesektor.
  • Die Technik spart zudem ein Vielfaches der Energie ein, die sie über ihren gesamten Lebenszyklus verbraucht.
  • Gebäudeautomation ermöglicht es, einen höheren Anteil erneuerbarer Energien im Gebäude zu nutzen, indem z. B. Überschussstrom in Warmwasser umgewandelt wird oder Elektroautos geladen werden.

14,7 Mio. t. CO2 durch Gebäudeautomation im Gebäudesektor einsparen

Fazit

  • Gebäudeautomation kann erheblich zur Reduktion des Energieverbrauchs und von CO2-Emissionen beitragen.
  • Bisher gibt es jedoch zu wenig Anreize für Investitionen in die Technik, denn im Gebäudesektor liegt oftmals ein Investor-Nutzer-Dilemma vor: Der Investor (Vermieter) hat kaum Anreize, in effiziente Technik zu investieren, da er die Investition nicht auf die Nutzer (Mieter) der Technik umlegen kann.
  • Das Borderstep Institut schlägt deshalb vor, Gebäudeautomation in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zu verankern und Kosten sowie Nutzen zwischen Vermietern und Mietern aufzuteilen.

 

Die CO2-Emissionen aus dem Gebäudesektor müssen deutlich gesenkt werden. Hierzu kann Gebäudeautomation einen wichtigen Beitrag leisten. Mit ihr kann sowohl der Energiebedarf von Gebäuden gesenkt, als auch die Nutzung erneuerbarer Energien erhöht werden.

Dr. Severin Beucker