Rechenzentren: Mehr Effizienz, mehr Wasserverbrauch?
Mit dem Ausbau von KI und Cloud-Anwendungen wächst auch die Bedeutung von Rechenzentren. Neben ihrem Strombedarf rückt dabei zunehmend der Wasserverbrauch in den Blick. Hintergrund ist unter anderem die Frage, ob neue Vorgaben des Energieeffizienzgesetzes dazu führen könnten, dass Betreiber verstärkt auf wasserintensive Kühlverfahren setzen.
Wasserverbrauch von Rechenzentren: Wassersparende Lösungen sind gefragt
Dr. Ralph Hintemann, Experte für Rechenzentren am Borderstep Institut, ordnet diese Diskussion für die Südwest Presse ein. Er erläutert, dass ein direkter Wasserverbrauch vor allem bei solchen Rechenzentren auftritt, die Verdunstungskühlung einsetzen, um Energie zu sparen. Zugleich verweist er darauf, dass es eine zunehmende Sensibilisierung zum Thema Wasser gibt und mit Hilfe von technischen Alternativen der Wasserverbrauch deutlich gesenkt werden kann.
Auch Hinweise aus dem europäischen Rechenzentrumsregister deuten zudem darauf hin, dass sich die Wassereffizienz der Anlagen in Deutschland in den vergangenen Jahren verbessert hat. Gemessen wird sie mit der Kennzahl Water Usage Effectiveness (WUE). Gleichzeitig bleibt die Datenlage zum Ressourcenverbrauch deutscher Rechenzentren noch lückenhaft.
EU-Label soll Ressourcenverbrauch transparenter machen
Mehr Transparenz soll künftig auch das neue europäische Bewertungssystem mit Nachhaltigkeitslabel für Rechenzentren schaffen. Borderstep hat gemeinsam mit EY und dem Austrian Institute of Technology (AIT) im Auftrag der Europäischen Kommission fachliche Grundlagen und Vorschläge für dieses Bewertungssystem entwickelt. Die Europäische Kommission hat diese Arbeiten in das im September 2026 beschlossene Bewertungssystem einfließen lassen.
Der vollständige Beitrag ist bei der Südwest Presse hinter einer Paywall abrufbar.
Über Dr. Ralph Hintemann
Dr. rer. pol. Ralph Hintemann ist Gesellschafter und Senior Researcher am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Der Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler befasst sich in seiner Forschung mit den Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Ralph Hintemann ist ein international anerkannter Experte für die Nachhaltigkeit digitaler Infrastrukturen wie Rechenzentren. In einer Zeit, die von grundlegenden Veränderungen geprägt ist, liefert er mit seiner interdisziplinären Perspektive wissenschaftlich fundierte Impulse und Handlungsempfehlungen.
EU beschließt Rechenzentrumslabel – Borderstep an Entwicklung beteiligt
Die Europäische Kommission hat am 21. September 2026 das gemeinsame EU-weite Bewertungssystem mit elektronischem Nachhaltigkeitslabel für Rechenzentren beschlossen. Damit erreicht die Entwicklung eines einheitlichen europäischen Rechenzentrumslabels einen wichtigen Meilenstein. Die Kommission sieht vor, dass bereits 2027 die Labels ausgegeben werden.
Rechenzentrumslabel schafft Transparenz über Energie- und Ressourcenverbrauch
Grundlage des Labels sind Daten, die Rechenzentren bereits im Rahmen der europäischen Berichtspflichten zu ihrer Energie- und Umweltleistung melden. Auf Grundlage dieser Angaben erstellt die EU künftig automatisiert ein elektronisches Nachhaltigkeitslabel. Es soll insbesondere den Energie- und Wasserverbrauch sichtbar machen und den Vergleich von Rechenzentren innerhalb einer Region erleichtern.
Das Label ergänzt damit die seit 2024 bestehende europäische Berichtspflicht um eine Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung. Betreiber, Politik und weitere Akteure erhalten so eine gemeinsame Grundlage, um die Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren besser einordnen zu können. Zugleich soll das Instrument Anreize für effizientere Rechenzentren setzen.

Borderstep an Entwicklung des Bewertungssystems beteiligt
Für Borderstep ist der Beschluss das Ergebnis mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Eine zentrale Rolle spielte Simon Hinterholzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Borderstep Institut und Projektleiter bei Borderstep im Projekt EUDCEAR. Gemeinsam mit Ernst & Young (EY) und dem Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelte Borderstep im Auftrag der Europäischen Kommission fachliche Grundlagen und Vorschläge für ein europäisches Bewertungssystem für Rechenzentren. Simon Hinterholzer hat die Entwicklung des EU-weiten Nachhaltigkeitslabels wesentlich mitgestaltet.
Im Zentrum der Arbeiten stand die Frage, wie vorhandene Nachhaltigkeitskennzahlen zu einem nachvollziehbaren Bewertungssystem verbunden und zugleich unterschiedliche regionale Rahmenbedingungen berücksichtigt werden können. Die Europäische Kommission griff die erarbeiteten Vorschläge auf und überführte sie in leicht veränderter und vereinfachter Form in das nun beschlossene System. Bereits im Frühjahr 2026 hatte sie ihren Entwurf öffentlich zur Konsultation gestellt.
Das neue Rechenzentrumslabel schafft erstmals eine gemeinsame europäische Grundlage, um Energie- und Ressourcenverbrauch von Rechenzentren vergleichbar zu bewerten. Dass unsere Arbeiten aus dem Projekt EUDCEAR in dieses Instrument eingeflossen sind, ist ein wichtiger Schritt vom Forschungsprojekt in die europäische Praxis.“ — Simon Hinterholzer, Borderstep Institut
Borderstep-Forschung fließt in europäische Praxis ein
Mit dem Beschluss wird ein zentrales Ergebnis dieser Arbeiten auf europäischer Ebene praktisch wirksam. Aus den im Projekt EUDCEAR entwickelten fachlichen Grundlagen entsteht ein Instrument, das ab 2027 europaweit eingesetzt werden soll. Das Rechenzentrumslabel überführt wissenschaftliche Ansätze zur Bewertung von Energie- und Ressourcenverbrauch damit in ein konkretes europäisches Instrument.
Hier können Sie die Pressemeldung der EU Kommission lesen: Mehr Transparenz bei Energieverbrauch von Rechenzentren: EU-Kommission schlägt gemeinsames Bewertungssystem vor
Simon Hinterholzer ist Ingenieur für Erneuerbare Energien und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den positiven und negativen Nachhaltigkeitswirkungen der Digitalisierung, insbesondere auf der Bewertung von Rechenzentren und Cloud Computing. Mit Vorschlägen für ein EU-weit einheitliches Nachhaltigkeitslabel und Mindestanforderungen an Rechenzentren hat er den regulatorischen Rahmen in der EU mitgestaltet. 2026 hat die ICT4S seine Forschung mit dem Best Paper Award der ausgezeichnet. An der Schnittstelle von Digitalisierung, Energie und Regulierung untersucht er, wie digitale Infrastrukturen nachhaltiger gestaltet und ihre Umweltwirkungen belastbar bewertet werden können.