HÖRZU Wissen fragt Borderstep zu Rechenzentren
In der aktuellen Ausgabe von HÖRZU Wissen geht es um große Produktionsstandorte für Chips, Batterien und Künstliche Intelligenz. Rechenzentren spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie stellen die Rechenleistung bereit, die für KI-Anwendungen und digitalisierte Produktionsprozesse benötigt wird.
Für den Beitrag „Die Macht der Mega-Fabriken“ hat die HÖRZU Wissen-Redaktion Dr. Ralph Hintemann vom Borderstep Institut zur Bedeutung von Rechenzentren und zu den Voraussetzungen für ihren weiteren Ausbau befragt.
Rechenkapazitäten als Wettbewerbsfaktor
Dr. Ralph Hintemann ordnet den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur nicht als kurzfristige Entwicklung ein. Unternehmen und Staaten, die bei der KI-Entwicklung führend sind und zugleich über die dafür erforderlichen Rechenkapazitäten verfügen, können ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Damit wird die Verfügbarkeit von Rechenleistung zunehmend zu einer Voraussetzung für die Entwicklung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz.
Stromnetze, Flexibilität und Speicher
Für den weiteren Ausbau von Rechenzentren ist nach Einschätzung von Hintemann vor allem die Energieversorgung eine Herausforderung. Er nennt drei Ansatzpunkte: einen schnelleren Ausbau der Stromnetze, mehr Flexibilität bei der Stromnachfrage und intelligente Speicherlösungen. Den Bau zusätzlicher Gaskraftwerke unmittelbar für neue Rechenzentren bewertet er dagegen nicht als nachhaltige Lösung.
Der vollständige Beitrag Die Macht der Mega-Fabriken – Ein Blick hinter die Kulissen der neuen Epizentren der Weltwirtschaft ist in der aktuellen Ausgabe von HÖRZU Wissen erschienen und mit dem Kauf des Magazins verfügbar.
Über Dr. Ralph Hintemann
Dr. rer. pol. Ralph Hintemann ist Gesellschafter und Senior Researcher am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Der Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler befasst sich in seiner Forschung mit den Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Ralph Hintemann ist ein international anerkannter Experte für die Nachhaltigkeit digitaler Infrastrukturen wie Rechenzentren. In einer Zeit, die von grundlegenden Veränderungen geprägt ist, liefert er mit seiner interdisziplinären Perspektive wissenschaftlich fundierte Impulse und Handlungsempfehlungen.
EU beschließt Rechenzentrumslabel – Borderstep an Entwicklung beteiligt
Die Europäische Kommission hat am 21. September 2026 das gemeinsame EU-weite Bewertungssystem mit elektronischem Nachhaltigkeitslabel für Rechenzentren beschlossen. Damit erreicht die Entwicklung eines einheitlichen europäischen Rechenzentrumslabels einen wichtigen Meilenstein. Die Kommission sieht vor, dass bereits 2027 die Labels ausgegeben werden.
Rechenzentrumslabel schafft Transparenz über Energie- und Ressourcenverbrauch
Grundlage des Labels sind Daten, die Rechenzentren bereits im Rahmen der europäischen Berichtspflichten zu ihrer Energie- und Umweltleistung melden. Auf Grundlage dieser Angaben erstellt die EU künftig automatisiert ein elektronisches Nachhaltigkeitslabel. Es soll insbesondere den Energie- und Wasserverbrauch sichtbar machen und den Vergleich von Rechenzentren innerhalb einer Region erleichtern.
Das Label ergänzt damit die seit 2024 bestehende europäische Berichtspflicht um eine Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung. Betreiber, Politik und weitere Akteure erhalten so eine gemeinsame Grundlage, um die Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren besser einordnen zu können. Zugleich soll das Instrument Anreize für effizientere Rechenzentren setzen.

Borderstep an Entwicklung des Bewertungssystems beteiligt
Für Borderstep ist der Beschluss das Ergebnis mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Eine zentrale Rolle spielte Simon Hinterholzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Borderstep Institut und Projektleiter bei Borderstep im Projekt EUDCEAR. Gemeinsam mit Ernst & Young (EY) und dem Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelte Borderstep im Auftrag der Europäischen Kommission fachliche Grundlagen und Vorschläge für ein europäisches Bewertungssystem für Rechenzentren. Simon Hinterholzer hat die Entwicklung des EU-weiten Nachhaltigkeitslabels wesentlich mitgestaltet.
Im Zentrum der Arbeiten stand die Frage, wie vorhandene Nachhaltigkeitskennzahlen zu einem nachvollziehbaren Bewertungssystem verbunden und zugleich unterschiedliche regionale Rahmenbedingungen berücksichtigt werden können. Die Europäische Kommission griff die erarbeiteten Vorschläge auf und überführte sie in leicht veränderter und vereinfachter Form in das nun beschlossene System. Bereits im Frühjahr 2026 hatte sie ihren Entwurf öffentlich zur Konsultation gestellt.
Das neue Rechenzentrumslabel schafft erstmals eine gemeinsame europäische Grundlage, um Energie- und Ressourcenverbrauch von Rechenzentren vergleichbar zu bewerten. Dass unsere Arbeiten aus dem Projekt EUDCEAR in dieses Instrument eingeflossen sind, ist ein wichtiger Schritt vom Forschungsprojekt in die europäische Praxis.“ — Simon Hinterholzer, Borderstep Institut
Borderstep-Forschung fließt in europäische Praxis ein
Mit dem Beschluss wird ein zentrales Ergebnis dieser Arbeiten auf europäischer Ebene praktisch wirksam. Aus den im Projekt EUDCEAR entwickelten fachlichen Grundlagen entsteht ein Instrument, das ab 2027 europaweit eingesetzt werden soll. Das Rechenzentrumslabel überführt wissenschaftliche Ansätze zur Bewertung von Energie- und Ressourcenverbrauch damit in ein konkretes europäisches Instrument.
Hier können Sie die Pressemeldung der EU Kommission lesen: Mehr Transparenz bei Energieverbrauch von Rechenzentren: EU-Kommission schlägt gemeinsames Bewertungssystem vor
Simon Hinterholzer ist Ingenieur für Erneuerbare Energien und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den positiven und negativen Nachhaltigkeitswirkungen der Digitalisierung, insbesondere auf der Bewertung von Rechenzentren und Cloud Computing. Mit Vorschlägen für ein EU-weit einheitliches Nachhaltigkeitslabel und Mindestanforderungen an Rechenzentren hat er den regulatorischen Rahmen in der EU mitgestaltet. 2026 hat die ICT4S seine Forschung mit dem Best Paper Award der ausgezeichnet. An der Schnittstelle von Digitalisierung, Energie und Regulierung untersucht er, wie digitale Infrastrukturen nachhaltiger gestaltet und ihre Umweltwirkungen belastbar bewertet werden können.