Hintemann, R., Hinterholzer, S. & Graß, M. (2025). Rechenzentren in Bayern 2025 – aktuelle Marktentwicklungen. Berlin: Borderstep Institut. https://doi.org/10.5281/zenodo.18457572
Rechenzentren sind eine zentrale Basisinfrastruktur der digitalen Transformation. Sie ermöglichen datenintensive Anwendungen, Cloud-Dienste sowie KI-gestützte Geschäftsmodelle und gewinnen damit rasant an strategischer Bedeutung für Wirtschaft, Verwaltung und Forschung. Mit steigenden Kapazitäten erhöhen sich zugleich Anforderungen an Energieversorgung, Flächeneffizienz, Nachhaltigkeit und Systemintegration. Die Studie zeigt, wie sich Struktur, Dynamik und Zukunftsperspektiven des Rechenzentrumsmarktes im Freistaat Bayern entwickeln und welche strategischen Leitlinien daraus abzuleiten sind.
Wie entwickelt sich der Rechenzentrumsmarkt in Bayern strukturell und regional?
Die Analyse identifiziert vier zentrale Strukturmerkmale des bayerischen Rechenzentrumsmarktes:
- Dynamisches Kapazitätswachstum
Seit 2020 sind die Rechenzentrumskapazitäten um rund 30 % gestiegen. 2025 existieren etwa 370 Rechenzentren mit über 100 kW IT-Anschlussleistung sowie rund 9.000 kleinere IT-Installationen. Die gesamte IT-Anschlussleistung beläuft sich auf rund 420 MW. - Wachsende Bedeutung von Colocation-Rechenzentren
Während der Markt weiterhin stark von unternehmenseigenen Rechenzentren geprägt ist, entfallen inzwischen rund 35 % der Kapazitäten auf gemietete Rechenzentrumsflächen. Das Wachstum der vergangenen Jahre ist nahezu vollständig auf neue Colocation-Standorte zurückzuführen. - Regionale Konzentration mit neuen Entwicklungsschwerpunkten
Die Entwicklung konzentriert sich insbesondere auf die Regionen München und Nürnberg. Gleichzeitig gewinnen Standorte im Norden Bayerns an Bedeutung, insbesondere im Einflussbereich der Metropolregion FrankfurtRheinMain. - Profilstärke in KI und High-Performance-Computing
Über 20 % der bayerischen Rechenzentrumskapazitäten entfallen bereits heute auf KI- und HPC-Anwendungen – ein bundesweiter Spitzenwert.
Ergänzend dazu definiert die Studie vier strategische Handlungsdimensionen für die zukünftige Standortentwicklung:
- Sicherung der Energieversorgung und Netzkapazitäten
Mit einem prognostizierten Wachstum auf bis zu 550 MW IT-Anschlussleistung bis 2030 entwickelt sich die Stromversorgung zunehmend zum strategischen Engpassfaktor. - Integration in regionale Energie- und Wärmesysteme
Die systematische Nutzung von Abwärme und die stärkere Verzahnung mit regionalen Energiesystemen gewinnen an Bedeutung. - Stärkung regionaler Cluster und digitaler Souveränität
Im Mittelpunkt steht eine robuste, dezentrale und bedarfsorientierte Rechenzentrumslandschaft, die primär die Anforderungen der bayerischen Wirtschaft, Forschung und öffentlichen Hand adressiert. - Hohe Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien
Energieeffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltige Betriebsmodelle bilden zentrale Leitprinzipien einer zukunftsfähigen Rechenzentrumsstrategie.
Ziel ist der systematische Ausbau einer leistungsfähigen, nachhaltigen und regional verankerten Rechenzentrumsinfrastruktur, die das anhaltende Marktwachstum mit Energie-, Standort- und Innovationspolitik strategisch verzahnt.
Studie „Rechenzentren in Bayern 2025 – aktuelle Marktentwicklungen“ kostenlos downloaden.
Rechenzentren sind weit mehr als technische Infrastruktur – sie sind ein strategischer Standortfaktor für Wertschöpfung, Innovationsfähigkeit und digitale Souveränität. Für Bayern kommt es jetzt darauf an, das dynamische Marktwachstum mit Energieeffizienz, regionaler Integration und einer klaren industriepolitischen Zielsetzung zu verbinden.
— Dr. Ralph Hintemann
- Facts & Figures: Rechenzentren 2022
- Facts & Figures: Rechenzentren in der EU
- Publikationen: Digitalisierung & GreenIT
- Projekte: Digitalisierung & GreenIT
- Studie: Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen (Update 2025)
- Studie: Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen – Stand 2024
- Studie: Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen (Update 2023)
- Studie: Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen – Stand 2022
Autoren
Dr. rer. pol. Ralph Hintemann ist Gesellschafter und Senior Researcher am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Der Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler befasst sich in seiner Forschung mit den Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Ralph Hintemann ist ein international anerkannter Experte für die Nachhaltigkeit von digitalen Infrastrukturen wie Rechenzentren. In einer Zeit, die von grundlegenden Veränderungen geprägt ist, liefert er mit seiner interdisziplinären Perspektive wissenschaftlich fundierte Impulse und Handlungsempfehlungen.
Simon Hinterholzer ist Ingenieur für Erneuerbare Energien und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Borderstep Institut. Er forscht zu den Nachhaltigkeitswirkungen der Digitalisierung, insbesondere zur Bewertung von Rechenzentren und Cloud Computing sowie zur CO₂-Reduktion im Gebäudebereich durch digitale Technologien. Dabei arbeitet er in Projekten für die EU-Kommission, Bundesministerien und Bundesländer.
Herausgeber
Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gGmbH
Zitiervorschlag
Hintemann, R., Hinterholzer, S. & Graß, M. (2025). Rechenzentren in Bayern 2025 – aktuelle Marktentwicklungen. Berlin: Borderstep Institut. https://doi.org/10.5281/zenodo.18457572
Themen
Rechenzentren • Generative KI • Energieeffizienz Abwärmenutzung • Edge-Cloud-Kontinuum • Carbon Footprint • Neue Energiekonzepte für Rechenzentren • KI-Ressourcenbedarfe Wasserverbrauch von KI/Rechenzentren • Digitaler Handprint Green IT/Sustainable IT • AI for Good
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