Fichter, K., Neumann, T., Olteanu, Y., Grothey, T. & Block, J. (2026). Green Startup Report 2026. Berlin: Borderstep Institut. https://doi.org/10.5281/zenodo.18413115
Der Green Startup Report 2026 des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit analysiert die aktuelle Entwicklung der grünen Gründungslandschaft in Deutschland und setzt die seit 2013 kontinuierlich durchgeführte wissenschaftliche Beobachtung der Szene fort.
Die Langzeitperspektive ermöglicht eine belastbare Einordnung struktureller Trends, technologischer Entwicklungen und Veränderungen der Gründungsdynamik. Der Report knüpft an die bisherigen Projekte Green Economy Gründungsmonitor (2013–2017) und Green Startup Monitor (2019–2024) an. Er erweitert diese um neue methodische Ansätze und Datengrundlagen.
Hier kann der Green Startup Report 2026 kostenlos heruntergeladen werden:
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Die Transformation zu einer klimaneutralen und ressourceneffizienten Wirtschaft entscheidet sich zunehmend an der Innovationskraft junger Unternehmen. Grüne Start-ups entwickeln Technologien und Geschäftsmodelle, die Emissionen senken, Ressourcen sichern und industrielle Wertschöpfung neu ausrichten.
Der neue Green Startup Report des Borderstep Instituts zeigt: Die grüne Gründungslandschaft in Deutschland ist weiter gewachsen und verfügt über eine hohe technologische Innovationsstärke und ein messbares Klimaschutzpotenzial. Gleichzeitig weisen die aktuellen Daten erstmals seit Jahren auf eine rückläufige Gründungsdynamik hin.
Wissenschaftliche Vermessung der grünen Start-up-Szene in Deutschland
Der Report basiert auf der kontinuierlichen wissenschaftlichen Vermessung der grünen Start-up-Szene in Deutschland seit 2013. Durch die langfristige Datenerhebung lassen sich strukturelle Trends, Marktentwicklungen und Veränderungen im Gründungsgeschehen belastbar analysieren. Der Green Startup Report 2026 liefert damit eine zentrale Datengrundlage für politische Strategien, Förderentscheidungen und Investitionsentwicklungen im Bereich nachhaltiger Innovationen.
Green Startup Report 2026: Kernergebnisse
Wachstumsdynamik nimmt ab
Obwohl die Gesamtcommunity grüner Start-ups weiter gewachsen ist, sinkt ihre relative Bedeutung. Dies lässt sich am Anteil grüner Start-ups an den Neugründungen in den Jahren 2023, 2024 und 2025 festmachen. Während der Anteil grüner Start-ups an allen Neugründungen 2023 noch bei knapp 20 % lag, ist dieser Anteil in 2025 auf 13 % deutlich gesunken. Das bedeutet, von den 2025 gegründeten Start-ups konnten nur noch 13 % als grün eingestuft werden.
Auch die absolute Anzahl grüner Neugründungen war in den vergangenen zwei Jahren rückläufig. Diese sanken von 375 in 2023 auf 313 in 2024 und 206 in 2025. Bei den hier angegeben Zahlen handelt es sich um eindeutig klassifizierte grüne Start-ups.
Die Trendumkehr bei den jährlichen Neugründungen zeigt sich in nahezu allen Bundesländern, besonders ausgeprägt in den Start-up-Hotspots Berlin und Bayern. Auch unter Start-ups mit Investment ist ein rückläufiger Anteil grüner Neugründungen zu beobachten.
Gründe für die abnehmende Bedeutung bei Neugründungen
Mit Hilfe von Interviews mit Expertinnen und Experten aus dem Start-up-Ökosystem wurde nach den Gründen für die abnehmende Bedeutung grüner Start-ups bei den Neugründungen der letzten zwei Jahre gesucht. Das Ergebnis dieser qualitativen Analyse zeigt, dass sich der Bedeutungsrückgang grüner Start-ups bei den Neugründungen nicht monokausal erklären lässt, sondern das Zusammenwirken verschiedener Faktoren darstellt. Drei Faktoren stechen hier heraus:
- Aufmerksamkeitsverschiebungen hin zu anderen Leitthemen (z.B. KI, Sicherheit) verändern Gründungsentscheidungen sowie Förder- und Investitionslogiken
- Nachfrage- und Marktunsicherheiten reduzieren Zahlungsbereitschaft und Marktzugang für nachhaltige Lösungen, insbesondere bei kostenintensiven Geschäftsmodellen
- Regulatorische Volatilität und Unsicherheit erhöhen Planungsrisiken und verstärken Rückgänge insbesondere in regulierten und kapitalintensiven Branchen
Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig und entfalten ihre Wirkung seit 2023 besonders deutlich.
Verschiebungen bei Branchenstruktur
Bei der Verteilung grüner Start-ups über die verschiedenen Branchen zeigen sich deutliche Verschiebungen. Während der Energiebereich unter den grünen Start-ups wieder deutlich wichtiger geworden ist (hier stieg der Anteil von 17 % bei den Gründungsjahrgängen 2022/2023 auf 25 % bei den Gründungsjahrgängen 2024/2025 an), hat der traditionell starke Bereich der „Umwelttechnologie“ erheblich an Bedeutung verloren. Ein Grund dafür könnte sein, dass letztere zunehmend in andere Technologiebereiche integriert werden.
Green goes digital: Wandel bei den Geschäftsmodellen
Die Herstellung und der Vertrieb grüner Technologien (physischer Produkte) bleibt das relevanteste Geschäftsmodell. 41 % aller grünen Start-ups, die in 2024 und 2025 gegründet wurden, haben hier ihren Schwerpunkt. Dieser Anteil hat sich gegenüber den Vorjahren kaum geändert. Dahingegen ist der Anteil von SaaS-Modellen unter den neu gegründeten grünen Start-ups stark von 19 % in den Jahrgängen 2022/2023 auf 33 % bei den Jahrgängen 2024/2025 angestiegen. Dies deutet auf eine zunehmende Digitalisierung bei den grünen Geschäftsmodellen. Gleichzeitig verlieren dienstleistungsbasierte und handelsnahe Geschäftsmodelle an relativer Bedeutung.
Ökonomische und ökologische Dividende: Grüne Impact-Einhörner am Werk
Der GSR liefert weltweit einmalige Zahlen zum Klimaschutzpotenzial junger innovativer Unternehmen. Die validierten Impact-Daten des Borderstep Instituts zeigen, dass das Klimaschutzpotenzial grüner Start-ups eine breite Streuung aufweist, von wenigen hundert Tonnen CO₂e pro Jahr bis zu High-Impact-Start-ups, die mit hohem Technologie- und Skalierungspotenzial jährlich Hunderttausende Tonnen CO₂e einsparen können und damit als grüne Impact-Einhörner zählen dürfen. Im Durchschnitt reduzieren grüne Start-ups die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu marktüblichen Produkten und Technologien um mehr als 70 %.
Green Startup Report 2026: Zahlen
Die grüne Start-up-Community ist weiter gewachsen
Die absolute Zahl grüner Start-ups ist weiter gewachsen. Die Gesamtanzahl der in einem 10-Jahreszeitraum in Deutschland gegründeten grünen Start-ups ist von rund 4.400 Start-ups (Erfassungszeitraum 2015 – 2024) um 6 % auf knapp 4.700 grüne Start-ups (Erfassungszeitraum 2016 – 2025) gestiegen. Dies weist auf eine stabile grüne Start-up-Community hin. Dieses fortgesetzte Wachstum ergibt sich allerdings nicht durch den Anstieg bei den Neugründungszahlen, sondern dadurch, dass ältere Gründungsjahrgänge mit noch geringer Start-up-Zahl aus der Betrachtung herausfallen und durch gründungsstärkere jüngere Jahre ersetzt werden.
Diese Bundesländer sind grüne Hotspots in Deutschland
Grüne Start-ups sind stark auf wenige Bundesländer konzentriert. Berlin (19,7 %), Bayern (19,6 %) und Nordrhein-Westfalen (17,3 %) vereinen gemeinsam mehr als die Hälfte aller grünen Start-ups unter zehn Jahren in Deutschland auf sich. Beim Anteil grüner Start-ups an allen Start-ups eines Bundeslandes ist Mecklenburg-Vorpommern mit 28 % weiterhin klarer Vorreiter, gefolgt von Bremen (26 %), Brandenburg (19 %) und Schleswig-Holstein (19 %).
Patente zeigen technologische Innovationsstärke grüner Start-ups
35 % der grünen Start-ups mit Investment verfügen über mindestens ein Patent. Damit liegt ihr Anteil deutlich über dem europäischen Durchschnitt investitionsfinanzierter Start-ups, bei denen rund 14 % eine Patentanmeldung aufweisen (EPO & EUIPO, 2023). Der hohe Patentanteil verdeutlicht die starke technologische Ausrichtung grüner Start-ups. Er unterstreicht ihre besondere Rolle als Treiber wissensintensiver, forschungsnaher und rechtlich geschützter Umweltinnovationen.
Nachhaltige Gründungen besonders attraktiv für Investierende
Grüne Start-ups erhalten ihre erste externe Finanzierung deutlich früher als nicht-grüne Start-ups. Nach 30 Monaten hat mehr als jedes dritte grüne Start-up eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen, bei nicht grünen Start-ups nur etwa jedes vierte. Der zeitliche Vorteil grüner Start-ups unterstreicht ihre Attraktivität für Investierende (ein zentraler Befund aus dem Vorjahr (GSR 2025, S. 14)).
Grüne Start-ups setzen auf gemischte Teams
Mit 22 % ist der Anteil von Frauen in der Geschäftsführung der in 2025 gegründeten grünen Start-ups deutlich höher als in nicht-grünen Start-ups (16 %). Dieser signifikante Unterschiede hat bei grünen Start-ups „Tradition“. Der deutliche Unterschied war bereits in den zehn Jahrgängen davor zu beobachten. Nach der Gründung erhöht sich der Anteil weiter: So kommt es bei grünen Start-ups deutlich öfter als bei nicht-grünen Start-ups vor, dass zu Beginn rein männlich besetzte Geschäftsführungen nachträglich noch durch Frauen verstärkt werden.
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