
Mit den erstmals erhobenen Daten wird etwas klarer, wo europäische Rechenzentren in Sachen Nachhaltigkeit stehen – und wie sich ihre Zukunft wirksam gestalten lässt.
Erstmals wurde eine umfassende Bewertung der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit von Rechenzentren in der EU vorgenommen. Grundlage hierfür waren Daten, die Rechenzentren im Rahmen einer Meldepflicht an die EU übermittelt haben.
Ein Konsortium aus dem Borderstep Institut, EY und dem Austrian Institute of Technology (AIT) analysierte die eingereichten Informationen und bewertete den aktuellen Zustand der Rechenzentren in der EU anhand von Nachhaltigkeits- und Leistungskennzahlen.
Der Bericht „European Commission: Directorate-General for Energy, AIT, Borderstep and EY, Assessment of the Energy Performance and Sustainability of Data Centres in the EU – First Technical Report, Publications Office of the European Union, 2025“ steht kostenlos zum Download bereit.
Die EU verfolgt mit dem European Green Deal das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, indem sie Treibhausgasemissionen drastisch senkt, nachhaltiges Wirtschaften fördert und Umwelt, Ressourcen sowie Biodiversität aktiv schützt.
Energieeffizienz trägt zur Verringerung des Gesamtenergieverbrauchs bei. Sie ist daher von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung der Klimaschutzziele der EU.
Die Energieeffizienz-Richtlinie definiert die Ziele und Maßnahmen für Rechenzentren. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen:
Erstmals wurden nun systematisch Daten von Rechenzentren in der EU erfasst. Um auf Basis dieser Erhebungen fundierte Aussagen zur Nachhaltigkeit von Rechenzentren treffen zu können, werden anerkannte und in der Branche etablierte Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPI) herangezogen. Diese ermöglichen eine vergleichbare und objektive Bewertung zentraler Aspekte wie Energieeffizienz, Ressourcennutzung und Umweltwirkungen.

Die Kennzahl PUE gibt an, welchen zusätzlichen Energiebedarf die Rechenzentrumsinfrastruktur benötigt. Sie ist also die zentrale Kennzahl zur Bewertung der Energieeffizienz von Rechenzentrumsinfrastruktur und des Gebäudes.
Ein PUE von 1,5 bedeutet, dass für jede Kilowattstunde (kWh), die an Server, Speicher und Netzwerkgeräte geht, eine halbe kWh zusätzlich für RZ-Infrastruktur wie Kühlung, Stromverteilung und Beleuchtung verbraucht wird. Sie zeigt also das Verhältnis zwischen dem Gesamtenergieverbrauch eines Rechenzentrums und dem Energieverbrauch der IT-Hardware.
Ein niedriger PUE-Wert gilt als effizient – doch er sollte nur als Indikator für die zusätzlichen Energieverbräuche des Gebäudes und der Kühlinfrastruktur verwendet werden – nicht für das ganze Rechenzentrum.


Im aktuellen Reporting ergeben sich für die Mitgliedsstaaten PUE-Werte zwischen 1,15 und 1,66. Die EU insgesamt liegt dabei bei einem Wert von 1,36. Zur Vergrößerung der Werte bitte das Bild in einem neuem Tab öffnen.
Die Kennzahl WUE misst, wie effizient ein Rechenzentrum Wasser nutzt, ausgedrückt in Kubikmetern pro Megawattstunde Energieverbrauch der Informationstechnik (m3/MWh). Ein niedrigerer WUE-Wert weist auf eine höhere Wassereffizienz hin, was bedeutet, dass für vergleichbare IT-Kapazität weniger Wasser verbraucht wird.
Der Wasserverbrauch von Rechenzentren hängt in erster Linie von der eingesetzten Kühltechnologie ab: Einrichtungen, die Verdunstungssysteme verwenden, verbrauchen viel Wasser, während Einrichtungen, die auf Trockenkühler setzen, mit wenig oder gar keinem Wasser auskommen.
Die WUE ist ein hilfreicher Indikator, um den Wasserverbrauch von Rechenzentren einheitlich zu bewerten. Die gesammelten WUE-Kategorien 1 und 2 zeigen jedoch nicht, welche Art von Wasser verwendet wird oder wie knapp das Wasser in der jeweiligen Region ist. Auch mögliche Auswirkungen auf die Umwelt vor Ort, werden nicht berücksichtigt – dabei gibt es in Europa sehr unterschiedliche Voraussetzungen.

Im aktuellen Reporting ergeben sich für die Mitgliedsstaaten WUE-Werte zwischen 0,07 m³/MWh und 1,28 m³/MWh. Die EU insgesamt liegt dabei bei einem Wert von 0,58 m³/MWh. Zur Vergrößerung der Werte Bild in einem neuem Tab öffnen.

Der ERF bewertet, wie umfassend die theoretisch entstehende Abwärme eines Rechenzentrums genutzt wird. Er gibt an, wie viel der verbrauchten Energie – insbesondere durch die entstehende Abwärme – für andere Zwecke wiederverwendet wird. Diese überschüssige Energie kann beispielsweise zur Beheizung von Gebäuden, zur Warmwasserbereitung oder zur Einspeisung in Fern- und Nahwärmenetze genutzt werden.
Der Wert liegt zwischen 0 und 1: Ein ERF von 1 bedeutet, dass die gesamte eingesetzte Energie vollständig wiederverwendet wird. Das ist in der Praxis jedoch kaum erreichbar, da beim Transport oder bei der Nutzung der Abwärme immer Energie verloren geht bzw. auch vom Bedarf des Wärmeabnehmers abhängt. Ein ERF von 0 bedeutet dagegen, dass keine Energie zurückgewonnen wird.
Allein in Deutschland lag 2024 der Stromverbrauch von Rechenzentren laut Borderstep Institut bei 20 Terrawattstunden. Und der Digitalverband Bitkom schätzt, dass man in Deutschland theoretisch 350.000 Wohnungen mit der bislang weitestgehend ungenutzten Abwärme aus den aktuell existierenden 90 deutschen Großrechenzentren versorgen könnten.

Im aktuellen Reporting ergeben sich für die Mitgliedsstaaten ERF-Werte zwischen 0 (Länder ohne Abwärmenutzung aus Rechenzentren in den berichteten Daten) und 0,457. Die EU insgesamt liegt dabei bei einem Wert von 0,205. Die Werte hierbei beziehen sich allerdings ausschließlich auf Rechenzentren, welche überhaupt Abwärme nutzen. Bezogen auf alle Rechenzentren liegt der Wert bei 0,018. Das bedeutet, dass nur ca. 1,8 Prozent der Abwärme aus Rechenzentren derzeit wiederverwendet wird. Zur Vergrößerung der Werte das Bild in einem neuem Tab öffnen.
Der REF bewertet den Anteil des Energieverbrauchs eines Rechenzentrums aus erneuerbaren Quellen. Er wird als Verhältnis oder Prozentsatz ausgedrückt, wobei ein REF von 1,0 bedeutet, dass der gesamte Energieverbrauch aus erneuerbaren Quellen stammt.
In vielen EU-Mitgliedstaaten zeigt sich ein erfreulicher Trend: Rechenzentren versorgen sich zunehmend mit erneuerbarer Energie, wodurch sie im EU-weiten Durchschnitt einen REF von bei 0,87 erreichen.
Das bedeutet: 87 Prozent des Stroms, den Rechenzentren nutzen, stammt aus erneuerbaren Quellen. Zum Vergleich: Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Stromverbrauch in der EU liegt derzeit bei rund 45 Prozent. Rechenzentren leisten damit in vielen Ländern bereits heute einen deutlich überdurchschnittlichen Beitrag zur Energiewende.

Im aktuellen Reporting ergeben sich für die Mitgliedsstaaten REF-Werte zwischen 0,36 und 1,00. Die EU insgesamt liegt dabei bei einem Wert von 0,86. Das bedeutet, dass 86 Prozent der Energie von Rechenzentren gemäß der Definition des REF (also inklusive Herkunftszertifikaten) aus Erneuerbaren Energien stammt. Zur Vergrößerung der Werte das Bild in einem neuen Tab öffnen.
Warum PUE allein nicht ausreicht? Effizienzsteigerungen bei der PUE können unbeabsichtigte Folgen für andere Nachhaltigkeitskennzahlen haben. Eine ganzheitliche Bewertung muss daher mehrere Indikatoren einbeziehen:

PUE: Die Kennzahl PUE gibt an, wie effizient ein Rechenzentrum mit Energie umgeht. Sie ist die zentrale Kennzahl zur Bewertung der Energieeffizienz von Rechenzentren.
ERF: Auch der ERF – der Anteil der zurückgewonnenen und anderweitig genutzten Energie – steht in keinem direkten Zusammenhang zur PUE. Energieeffiziente Kühlmethoden können z. B. die Abwärmenutzung erschweren und so den ERF senken.
REF: Eine niedrige PUE sagt nichts über die Herkunft der eingesetzten Energie aus. Nur wenn auch der Anteil erneuerbarer Energien hoch ist, ergibt sich ein nachhaltiges Gesamtbild.
WUE: Wenn Rechenzentren die PUE z. B. durch Umstieg auf wasserbasierte Kühlung verbessern, kann dies den Wasserverbrauch erhöhen – und damit den WUE-Wert verschlechtern.


Mit den erstmals erhobenen Daten wird etwas klarer, wo europäische Rechenzentren in Sachen Nachhaltigkeit stehen – und wie sich ihre Zukunft wirksam gestalten lässt.
Viele Rechenzentren geben an, dass sie „grünen Strom“ nutzen – also Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind oder Sonne. Bisher geschieht das oft über sogenannte Herkunftsnachweise. Kritiker hinterfragen diese Methode zunehmend, da sie nicht immer sicherstellt, dass tatsächlich neuer grüner Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird.

In der ersten Runde der Erhebungen (2023) wurden Rechenzentren mit einem absoluten Energieverbrauch von 14 088 GWh (14,09 TWh) erfasst (siehe Bericht S. 80).
Gegenüber der Datenbank von datacentermap.com wird eine Vollständigkeit der ersten Berichterstattung von ~36% angenommen (siehe Bericht S. 24). Dabei ist zu berücksichtigen, dass datacentermap.com selbst auf größtenteils freiwilligen Eintragungen basiert und keine allumfassende Datenbank aller Rechenzentren darstellt.
Des Weiteren sind die Rechenzentren und IT-Räume unter 500 kW nicht verpflichtet, ihre Daten zu berichten. Damit stehen die aktuellen Zahlen nicht im Widerspruch zu den 45 – 65 TWh aus der Meta-Studie von Kamiya, G. & Bertoldi, P. (2024) oder den auf Server-Verkäufen gestützten Schätzung (Bottom-Up) von ~87 TWh, die in Hintemann (2020) für 2025 prognostiziert werden.
Simon Hinterholzer (Borderstep Institute). Ralph Hintemann (Borderstep Institute). Severin Beucker (Borderstep Institute). Nicolas Marx (AIT). Patrik Furda (AIT). Dennis Heatubun (EY Belgium). Ionut Dragan (EY Belgium). Marco Bolchi (EY Belgium). Patricia Lopes Bautista (EY Belgium).
EU Commission – Directorate-general | ENER
European Commission: Directorate-General for Energy, AIT, Borderstep and EY, Assessment of the energy performance and sustainability of data centres in EU – First technical report, Publications Office of the European Union, 2025, https://data.europa.eu/doi/10.2833/3168794
Seit 2007 analysiert das Borderstep Institut den Stromverbrauch von Rechenzentren in Deutschland und europaweit. Grundlage dafür ist ein eigenes Strukturmodell, das seit 2012 kontinuierlich weiterentwickelt und aktualisiert wird.
Mit diesem Modell werden Rechenzentren detailliert nach Größe, Technologie und Betriebsart – darunter Cloud-, Edge- und traditionelle Einrichtungen – abgebildet. Dabei werden auch Servertypen, Altersstrukturen und Gebäudetechnologien wie Kühl- und Stromversorgungssysteme berücksichtigt.
Damit liefert Borderstep verlässliche Zahlen und Szenarien für die Energieeffizienz digitaler Infrastrukturen. Mit Projekten wie TEMPRO, DC2HEAT und DCESS entwickelt das Institut Lösungen für eine klimafreundliche und energieeffiziente Digitalisierung.
Rechenzentrum • Generative KI • Energieeffizienz • Abwärmenutzung • Edge-Cloud-Kontinuum • Carbon Footprint • Bewertungsschema
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