Clausen, J., Gerhards, C., Huber, M., Jordan, U., Kemfert, C., Klafka, P., Seifert, & Spindler, U. (2026). Energieträger für das Heizen. Preisentwicklung, Klimawirkung, Verfügbarkeit. Policy Paper. Berlin: Scientists for Future.
Im Eckpunktepapier zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz spielt das Heizen mit Biobrennstoffen oder Wasserstoff eine zentrale Rolle. Eine sogenannte „Biotreppe“ soll die 65 %-Regel ersetzen. Aber welche Folgen hat dies für die Heizkosten?
Diese Kurzstudie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Scientists for Future (S4F) betrachtet die Kostenwirkungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes genauer mit Blick auf die einzelnen Energieträger sowie die Verfügbarkeit von Biobrennstoffen und den angestrebten Klimaschutzeffekt. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Vermutung, dass grüne Gase wie Biogas oder Wasserstoff in Zukunft teurer werden.
Kritisches Fazit zum Heizen mit Biobrennstoffen
Die Einführung der geplanten „Biotreppe“ ist teuer, die benötigten Energieträger sind absehbar nicht ausreichend verfügbar und entweichende Treibhausgase sind auch bei Bioenergie grundsätzlich unvermeidbar:
- Mit den oben zugrunde gelegten Annahmen führt die geplante „Biotreppe“ bei Beimischung von Biomethan schon im Jahr 2030 zu einer erheblichen Preissteigerung um 25 % und bis 2040 sogar um 130 % im Vergleich zum heutigen Erdgaspreis (inflationsbereinigt), während bei der Strompreisentwicklung für den Betrieb von Wärmepumpen keine nennenswerten Preissteigerungen erwartet werden.
- Aufgrund der Emissionsfaktoren lassen sich die Treibhausgasemissionen prinzipiell bestenfalls um 42 % (Biomethan) bzw. um 33 % (Bioöl) gegenüber den fossilen Alternativen reduzieren.
- Die nötigen Flächen für den Energiepflanzenanbau reichen bei weitem nicht aus. Die maximale mögliche Deckung des Gas- und Ölbedarfs liegt bei 33 % bzw. 5 % und ist mit erheblichen Biodiversitätsverlusten verbunden.
Für eine kosteneffiziente und klimawirksame Transformation des Wärmesektors spricht daher vieles dafür, den Schwerpunkt auf Effizienzmaßnahmen, Elektrifizierung – insbesondere durch Wärmepumpen – sowie den Ausbau erneuerbarer Stromversorgung zu legen, während knappe erneuerbare Brennstoffe vorrangig in schwer zu
dekarbonisierenden Sektoren eingesetzt werden sollten.
Die Studie „Energieträger für das Heizen. Preisentwicklung, Klimawirkung, Verfügbarkeit“ von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Scientists for Future kostenlos herunterladen.
Die Abschaffung der vollständig technologieoffenen 65 %-Regel und ihre Ersetzung durch eine sogenannte „Biotreppe“ ist voraussichtlich mit hohen finanziellen Belastungen für diejenigen verbunden, die sich zu lange an eine Gas- oder Ölheizung binden oder die wie Mieterinnen und Mieter keinen Einfluss auf die Art der Heizung haben. — Dr. Jens Clausen, Hauptautor der Studie, Borderstep Institut
Projekt: Solare Wärmepumpe – Heizen und Kühlen mit Hilfe der Sonne
Borderstep Wissen: Wissen kompakt
Forschung: Klimawandel
Studien zum Thema Wärmewende
Autorinnen und Autoren
Dr. Jens Clausen ist Mitgründer und Gesellschafter des Borderstep Instituts. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Innovations- und Transformationsforschung, insbesondere in den Bereichen Energiesysteme, Wärme/Heiztechnik, Elektromobilität und Digitalisierung.
Gerhards, Christoph Huber, Michael Jordan, Ulrike Klafka, Peter Kemfert, Claudia Seifert Thomas Spindler, Uli
Herausgeber / Editor
Zitiervorschlag
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Energiepreise • Wärmepreise • Sektorkopplung • Erneuerbare Energien • Wärmewende • Wärmenetz • Wärmepumpe • Biotreppe • Biogas • Bioöl
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