Clausen, J. & Beucker, S. (2026). Neue Stromverbraucher, Abwärmequellen & Netze. Berlin: Borderstep Institut. https://doi.org/10.5281/zenodo.22080305
Die Transformation der Wärmeversorgung stellt Kommunen vor eine doppelte Herausforderung: Wärmenetze müssen schrittweise dekarbonisiert werden, während zugleich der Strombedarf durch die Elektrifizierung von Mobilität, Gebäuden und Industrie deutlich steigt. Hinzu kommen neue große Stromverbraucher wie Rechenzentren und Elektrolyseure. Sie benötigen erhebliche Mengen Strom, bieten mit ihrer Abwärme aber gleichzeitig ein Potenzial für die klimafreundliche Wärmeversorgung.
Allein für Rechenzentren ist in absehbarer Zeit mit einem jährlichen Strombedarf von mehr als 30 TWh zu rechnen. Gleichzeitig werden sowohl Rechenzentren als auch Elektrolyseure zunehmend in großen Leistungsklassen geplant. Damit können an einzelnen Standorten erhebliche und langfristig verfügbare Abwärmemengen entstehen. Für Kommunen stellt sich deshalb die Frage, wie sich solche Ansiedlungen mit Stromnetzen, Wärmenetzen und dem lokalen Wärmebedarf sinnvoll zusammenbringen lassen.
Abwärmepotenziale und Wärmebedarf aufeinander abstimmen
Damit die Abwärme neuer Großverbraucher tatsächlich für die Wärmeversorgung genutzt werden kann, sind insbesondere zwei Voraussetzungen entscheidend:
- Größe und Standort von Rechenzentren und Elektrolyseuren sowie ihre Abwärmepotenziale müssen zur Aufnahmefähigkeit der angeschlossenen Wärmenetze passen.
- Saisonale Wärmespeicher können dazu beitragen, im Sommer anfallende Abwärme für die Heizperiode verfügbar zu machen.
Bislang fehlen kommunalen Entscheiderinnen und Entscheidern jedoch vielfach belastbare Informationen darüber, welche Wärmemengen künftig an welchen Standorten verfügbar sein könnten und welche technischen und infrastrukturellen Anforderungen bei der Standortwahl bestehen. Dazu gehören unter anderem Strom-, Wärme-, Wasserstoff- und Datennetze sowie Sicherheits- und Kostenaspekte. Auch die Frage, wann große zentrale oder kleinere dezentrale Lösungen sinnvoll sind, ist relevant.
Technische Basisanalyse für kommunale Entscheidungen
Das Arbeitspapier untersucht daher die zentrale Frage: „Wie können Ansiedlungen neuer großer Stromverbraucher wie Rechenzentren und Elektrolyseure mit Stromnetzen sowie dem lokalen Wärmebedarf durch kommunale Entscheiderinnen und Entscheider besser aufeinander abgestimmt werden?“
Die technisch orientierte Basisanalyse betrachtet Rechenzentren und Elektrolyseure als neue Abwärmequellen und stellt ihnen Großwärmepumpen, Geothermie und Solarthermie als alternative Wärmequellen gegenüber. Ergänzend werden Technologien und Kosten der erforderlichen Strom-, Wasserstoff-, Daten- und Wärmenetze sowie von Wärmespeichern betrachtet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den beteiligten Akteuren – von Betreibern der Anlagen und Netze bis zu Kommunen und weiteren Akteuren der öffentlichen Hand.
Damit schafft das Arbeitspapier eine Grundlage, um neue große Stromverbraucher, Energieinfrastrukturen und kommunale Wärmeplanung künftig besser aufeinander abzustimmen und Abwärmepotenziale systematischer für die Wärmeversorgung zu erschließen.
Hier kann das Arbeitspapier Neue Stromverbraucher, Abwärmequellen & Netze kostenlos heruntergeladen werden:
Abwärme kommt nicht nur von Hüttenwerken oder aus der Chemiebranche. Auch neue Technologien wie Rechenzentren und Elektrolyseanlagen sind gute Quellen für Abwärme. — Dr. Jens Clausen, Borderstep Institut
Mehr zum Thema Neue Stromverbraucher, Abwärmequellen & Netze
- Arbeitspapier: Clausen, J. & Beucker, S. (2026). Wärmeübertragungsnetze. Berlin: Borderstep Institut. https://doi.org/10.5281/zenodo.22079777
- Wissen kompakt
- Projekte: Potenziale einer gemeinschaftlichen Wärmeversorgung | Optimierte Nutzung dezentraler Abwärmepotenziale von Rechenzentren und Elektrolyseuren
- Forschung: Smart Energy
Die Autoren
Dr. Jens Clausen ist Gründer und Gesellschafter des Borderstep Instituts. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Innovations- und Transformationsforschung, insbesondere in den Bereichen Energiesysteme, Wärme/Heiztechnik, Elektromobilität und Digitalisierung.
Dr. Severin Beucker ist Gründer und Gesellschafter des Borderstep Instituts. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Digitalisierung und Innovationsprozessen im Energiesektor, insbesondere der methodischen Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle, Bewertung der Ressourcenproduktivität neuer Technologien und der Schnittstelle von Smart Energy und Energieeffizienz.
Herausgeber
Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gGmbH
Zitiervorschlag
Clausen, J. & Beucker, S. (2026). Neue Stromverbraucher, Abwärmequellen & Netze. Berlin: Borderstep Institut. https://doi.org/10.5281/zenodo.22080305
Themen
Energienetze Wärmewende Sektorkopplung Erneuerbare Energien Abwärme Wärmepumpen Energieflexibilität Systemintegration
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