"Borderstep vereint wissenschaftliche Tiefe mit wirksamer Transferarbeit."
  • © Rolf Schulten

Wo Forschung ins Offene denkt: Mit Käpt’n Blaubär die Green Economy gestalten

Ein Gespräch mit Dr. Thomas Neumann über den Reiz praxisbezogener Wissenschaft

Käpt’n Blaubär als Leitbild, um für die Welt Verantwortung zu übernehmen: Borderstep Senior Researcher Dr. Thomas Neumann widmet sich mit Leidenschaft dem nachhaltigen Unternehmertum. Nach Stationen in Wissenschaft, Industrie und Gründungsberatung gestaltet er heute am Borderstep Institut im Forschungsbereich Sustainable Entrepreneurship die Zukunft grüner Start-ups mit.

Im Interview spricht er darüber, was Künstliche Intelligenz für die Start-up-Szene in Deutschland bedeutet: und was ein Sonnenuntergang an der Flensburger Förde mit guter Forschung zu tun hat.

Thomas, wie bist du persönlich zur Nachhaltigkeit gekommen und was hat dich daran besonders fasziniert?

Mein Weg begann mit einem freiwilligen ökologischen Jahr an einer Grundschule in Oldenburg. Dort habe ich mit Drittklässlern über den Klimawandel gesprochen und Schaltkreise gelötet. Besonders faszinierend war, wie selbstverständlich die Kinder das Gelernte mit nach Hause nahmen und dort über Energiesparen diskutierten. Das hat mir gezeigt, welche Wirkung auch kleine Impulse haben können. Seitdem begleitet mich das Thema: im Studium, im Beruf und im Alltag.

Forschung mit Praxisbezug wirkt stärker

Wie sah dein bisheriger beruflicher Weg aus und was hat dich dabei geprägt?

Nach meinem Umweltmanagement-Studium führten mich erste Stationen ins Ausland und ins Innovationsmanagement eines großen Energieversorgers. Besonders prägend war meine Tätigkeit als Coach für grüne Start-ups. Gründerinnen und Gründer dabei zu begleiten, ihre Ideen in die Praxis zu bringen und sich selbst zu verwirklichen, war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. Diese Arbeit habe ich mit meiner Promotion verbunden und so erlebt, wie wirksam Forschung sein kann, wenn sie an den konkreten Bedarfen der Praxis ansetzt.

Was hat dich motiviert, Teil des Borderstep Teams im Bereich Sustainable Entrepreneurship zu werden?

Wer zu grünen Gründungen arbeitet, kommt an Borderstep nicht vorbei. Die Veröffentlichungen, Tools und Impulse des Instituts waren schon früh Teil meines Alltags. Die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und wirksamer Transferarbeit ist einzigartig. Der Wechsel zu Borderstep war für mich ein logischer Schritt. Genau an dieser Schnittstelle möchte ich gestalten.

Ich möchte mit meiner Forschung grüne Start-ups systematisch stärken

Was möchtest du bei Borderstep bewegen? Was sollen Akteure aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft aus deiner Forschung mitnehmen?

Mein Ziel ist es, grüne Start-ups nicht nur sichtbarer zu machen, sondern systematisch zu stärken. Borderstep hat das Thema bereits auf die politische Agenda gebracht. Jetzt geht es darum, bestehende Hemmnisse abzubauen, damit aus heute 30 Prozent grüner Start-ups langfristig 100 Prozent werden. Ich bin überzeugt, dass Start-ups ein zentraler Treiber einer Green Economy sein können.

Was sind für dich aktuell die spannendsten Entwicklungen im Bereich Sustainable Entrepreneurship?

Besonders spannend finde ich die Frage, wie sich die Wirkungen von Start-ups fundiert bewerten lassen: ökonomisch, ökologisch und sozial. Der Einsatz KI-gestützter Tools eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten. Damit wird es bald möglich sein, Gründungsförderung und -finanzierung viel stärker an realen Wirkungen auszurichten. Das könnte ein echter Paradigmenwechsel werden.

Was gibt dir persönlich Kraft und Ausgleich zu deiner Arbeit?

In meiner Freizeit genieße ich mit meiner Familie die hohe Lebensqualität der Fördestadt Flensburg. Das bedeutet vor allem viel Zeit am, auf und im Wasser. Das entschleunigt, erdet und gibt mir neue Energie, auch für meine Arbeit.

Wir müssen Wirtschaft grundlegend neu denken

Gab es ein Buch, einen Film oder ein Erlebnis, das dich besonders inspiriert hat?

„Degrowth/Postwachstum zur Einführung“ von Matthias Schmelzer und Andrea Vetter hat mir noch einmal vor Augen geführt, dass nachhaltige Start-ups ein wichtiger Schritt sind, aber nur ein Zwischenschritt. Die große Aufgabe bleibt, unsere Wirtschaft grundlegend neu zu denken.

Gibt es einen Ort, den du gern empfehlen würdest?
Bens Fischhütte in Flensburg. Frischer Fisch oder Grillkäse, Meeresbrise, Sonnenuntergang: ein Ort, der zeigt, wie einfach gutes Leben sein kann.

Hast du ein Motto oder einen Leitsatz, der dich begleitet?
„Das Leben ist zu kostbar, um es dem Schicksal zu überlassen.“ Dieser Satz von Käpt’n Blaubär erinnert mich daran, Verantwortung zu übernehmen und selbst zu gestalten, wo es möglich ist.