"Mich fasziniert, wie eng unsere Geschichte mit der Umwelt zusammenhängt."
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Von der Sierra zur KI: Nachhaltigkeit zwischen Natur und Digitalisierung

Ein Gespräch mit Diana Laura San Juan Sosa über ihre mexikanischen Wurzeln, nachhaltige Digitalisierung und die Umweltwirkungen von KI.

Diana Laura San Juan Sosa studiert Environmental and Resource Management an der BTU Cottbus und arbeitet als studentische Mitarbeiterin im Forschungsbereich Digitalisierung und Green IT am Borderstep Institut. Geprägt von ihrer Kindheit zwischen Mexiko-Stadt und der Sierra Otomí-Tepehua beschäftigt sie sich heute mit den Umweltwirkungen digitaler Technologien. Im Interview erzählt sie, warum Nachhaltigkeit für sie immer beim Menschen beginnt, weshalb internationale Perspektiven unverzichtbar sind und was sie an der Forschung besonders fasziniert.

Diana, dein Vater stammt aus der Sierra Otomí-Tepehua in Mexiko. Wie hat dich das geprägt?

Mein Vater gehört zum indigenen Volk der Otomí und stammt aus der Sierra Otomí-Tepehua im Bundesstaat Hidalgo. Obwohl ich in Mexiko-Stadt aufgewachsen bin, haben wir dort immer wieder längere Zeit verbracht. Schon als Kind habe ich erlebt, wie eng das Leben der Menschen mit der Natur verbunden ist und welche Veränderungen die Region durchgemacht hat. Diese Erfahrungen haben mich geprägt und den Wunsch geweckt, mich für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen einzusetzen.

Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?

Neugierig, empathisch und intuitiv.

Was sollte man über dich wissen, das nicht in deinem Lebenslauf steht?

Ich probiere gern Neues aus und entwickle mich ständig weiter. Außerdem bin ich ein sehr naturverbundener Mensch und interessiere mich für die Geschichten anderer Menschen.

Reisetraum: Asien entdecken

Kurz gefragt

Kaffee oder Tee? Kaffee.

Frühaufsteher oder Nachteule? Nachteule.

Stadt oder Natur? Natur.

Lieblingsessen? Enchiladas Suizas.

Lieblingsort in Berlin? Hasenheide.

Welche Sprache würdest du gern lernen? Russisch.

Wenn du einen Monat überall auf der Welt verbringen könntest, wohin würde die Reise gehen? Ich möchte gern verschiedene Länder Asiens entdecken, besonders Hongkong, Indonesien, Vietnam und Nepal.

Warum hast du dich für Environmental and Resource Management entschieden?

Ich wollte nie etwas studieren, das nur technisch ist und wenig mit der realen Welt zu tun hat. An meinem Studiengang gefällt mir, dass wissenschaftliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen zusammenkommen. Mich interessiert nicht nur, warum Umweltprobleme entstehen, sondern wie wirtschaftliche und soziale Systeme dazu beitragen – und wie sich diese Zusammenhänge verändern lassen.

Was begeistert dich an deinem Studium besonders?

Nachhaltigkeit ist für mich keine reine Technikfrage. Sie hat immer mit Menschen, Lebensqualität und gesellschaftlichem Verhalten zu tun. Genau diese Verbindung fasziniert mich.

Was macht dir an wissenschaftlicher Arbeit Spaß?

Ich erkenne gern Muster und schaue auf Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Besonders spannend finde ich es, analytisches Denken mit gesellschaftlichen Fragestellungen zu verbinden.

Du bist für dein Studium nach Deutschland gekommen. Was hat dich dazu bewegt?

Ich wollte meine Komfortzone verlassen, eine neue Sprache lernen und eine andere Kultur kennenlernen. Das war nicht immer einfach, aber genau dieses persönliche Wachstum war für mich der wichtigste Antrieb.

Nachhaltigkeit in Mexiko Teil der Beziehung zwischen Mensch und Natur

Wie unterscheidet sich dein Blick auf Nachhaltigkeit in Mexiko und Deutschland?

In Deutschland wird Nachhaltigkeit häufig über Regeln, Strukturen und Systeme gedacht. In Mexiko erlebe ich sie stärker als Teil des gemeinschaftlichen Lebens und der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Beide Perspektiven haben ihre Stärken. Ich glaube, gute Lösungen entstehen erst, wenn man beides zusammendenkt.

Wie bist du auf Borderstep aufmerksam geworden?

Ich habe gezielt nach Themen gesucht, die Nachhaltigkeit und Digitalisierung verbinden. Genau diese Schnittstelle hat mich sofort angesprochen.

Warum wolltest du bei Borderstep arbeiten?

Weil hier wissenschaftliche Forschung nicht im Elfenbeinturm stattfindet, sondern gesellschaftliche Fragen aufgreift. Mich hat besonders überzeugt, dass Umwelt und Digitalisierung gemeinsam gedacht werden.

Woran arbeitest du aktuell?

Ich unterstütze den Forschungsbereich Digitalisierung und Green IT. Dabei beschäftige ich mich mit den Umweltwirkungen von Künstlicher Intelligenz und digitaler Infrastruktur. Mich interessiert vor allem, welchen ökologischen Fußabdruck diese Technologien tatsächlich haben und wie sie nachhaltiger gestaltet werden können.

Was fasziniert dich an diesem Themenfeld?

Mich interessiert der Widerspruch: Digitale Technologien gelten oft als Teil der Lösung für Nachhaltigkeitsprobleme. Gleichzeitig benötigen sie große Mengen an Energie und Ressourcen. Dieses Spannungsfeld besser zu verstehen und Lösungswege aufzuzeigen, finde ich besonders spannend.

Welche Rolle können digitale Technologien für mehr Nachhaltigkeit spielen?

Sie können helfen, Prozesse effizienter zu gestalten und bessere Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig dürfen wir ihre eigenen Umweltwirkungen nicht ausblenden. Nachhaltigkeit entsteht nicht allein durch Technik, sondern durch das Zusammenspiel von Innovation, Politik und gesellschaftlichem Handeln.

Was hat dich an der Arbeit bei Borderstep überrascht?

Wie komplex die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit tatsächlich sind. Je tiefer ich mich damit beschäftige, desto deutlicher wird, dass es selten einfache Antworten gibt.

Bei Borderstep treffen wissenschaftliche Tiefe und Praxisrelevanz aufeinander

Was unterscheidet Borderstep von anderen Erfahrungen, die du bisher gemacht hast?

Hier treffen wissenschaftliche Tiefe und Praxisrelevanz aufeinander. Außerdem schätze ich den Austausch mit Universitäten und anderen Forschungspartnern sowie die Flexibilität, Studium und Forschung miteinander verbinden zu können.

Du hast auch Erfahrungen in der Datenanalyse gesammelt. Wie ergänzt sich das mit deinem Studium?

Datenanalyse hilft mir, Muster sichtbar zu machen. Umweltmanagement hilft mir, diese Ergebnisse einzuordnen und in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen. Erst beides zusammen ergibt für mich ein vollständiges Bild.

Wie wichtig ist internationale Zusammenarbeit für Umwelt- und Klimaschutz?

Sie ist unverzichtbar. Klimaprobleme kennen keine Grenzen. Mein eigener Weg zwischen Mexiko und Deutschland hat mir gezeigt, wie viel wir voneinander lernen können.

Welcher Ort in Mexiko bedeutet dir besonders viel?

Neben der Sierra Otomí-Tepehua ist das Xochimilco-Seengebiet in Mexiko-Stadt ein besonderer Ort für mich. Dort existieren bis heute die historischen Chinampas, schwimmende Gartenflächen aus der Zeit der Azteken. Dieses einzigartige Ökosystem und seine Artenvielfalt zeigen, wie eng Kultur und Natur miteinander verbunden sein können.

Was machst du gern, wenn Studium und Forschung Pause haben?

Ich verbringe viel Zeit in der Natur, fahre Fahrrad, gehe gern ins Kino und höre ständig neue Musik – besonders Metal und Post-Punk. Außerdem passe ich manchmal auf Kinder oder Katzen auf. Beides bringt mich auf unterschiedliche Weise zur Ruhe.

Keine Angst, die Komfortzone zu verlassen

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich möchte an konkreten Lösungen für Umweltprobleme arbeiten, am liebsten an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Technologie, wo ich sowohl analytisch als auch mit Menschen arbeiten kann.

Welchen Rat würdest du anderen Studierenden geben?

Bleibt neugierig und habt keine Angst, eure Komfortzone zu verlassen. Nachhaltigkeitsforschung lebt von unterschiedlichen Perspektiven. Je offener man bleibt, desto mehr kann man lernen.

Zum Schluss: Wenn du eine Eigenschaft aus Mexiko nach Deutschland mitbringen könntest (und umgekehrt), welche wäre das?

Aus Mexiko würde ich die Herzlichkeit und Spontaneität der Menschen mitbringen. Diese Leichtigkeit im Umgang miteinander, die mir hier manchmal fehlt. Aus Deutschland würde ich die Strukturiertheit und Verlässlichkeit mit nach Mexiko nehmen. Ich glaube, beides zusammen wäre eine sehr gute Kombination.