"In der Forschung geht es nicht darum, Recht zu behalten, sondern Erkenntnisse zu gewinnen."
  • © Rolf Schulten

Vom Labor in die Praxis: Gebäude als Schlüssel der Energiewende

Ein Gespräch mit Dr. Severin Beucker über nachhaltige Innovationen, intelligente Gebäude und die Energiewende

Warum schaffen es manche Innovationen in die Praxis, während andere scheitern? Dr. Severin Beucker, Mitgründer des Borderstep Instituts, spricht über seine Motivation zur Institutsgründung, die Zukunft intelligenter Gebäude im Energiesystem und ein persönliches Motto, das ihn bis heute begleitet.

Was hat dich dazu motiviert, Borderstep mitzugründen?

Mein Antrieb war die Beobachtung, dass es im Bereich Umwelttechnik viele gute Ideen gibt, von denen jedoch nur wenige tatsächlich umgesetzt werden. Mich hat die Frage fasziniert, warum manche Innovationen ihren Weg in den Markt finden und andere nicht. Genau damit beschäftigt sich die Innovationsforschung: Wie wird aus einer Idee eine erfolgreiche Anwendung? Diese Fragestellung war eines der zentralen Motive für die Gründung von Borderstep.

Gebäude als Flexibilitätsreserve im Energiesystem

Mit welchen Themen befasst du dich aktuell?

Besonders spannend finde ich derzeit die Frage, wie der Gebäudesektor besser für die Energiewende genutzt werden kann. Heute werden viele Gebäude noch mit fossilen Energieträgern versorgt. Hier müssen wir zunächst effizienter werden. Gleichzeitig müssen wir lernen, Gebäude stärker auf erneuerbare Energien auszurichten.

Dadurch erhalten Gebäude eine neue Funktion: Sie werden zu einer Flexibilitätsreserve im Energiesystem. Wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar ist, kann zusätzliche Wärme erzeugt und gespeichert werden. In Zeiten geringerer Stromerzeugung lässt sich diese gespeicherte Energie nutzen. So können Gebäude dazu beitragen, das Energiesystem zu stabilisieren. An diesem Thema arbeiten wir intensiv. Ich bin sicher, dass es uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen wird.

Hast du ein persönliches Motto?

Mein Motto habe ich von einem langjährigen Projektpartner übernommen, der mich in den frühen Jahren von Borderstep geprägt hat: Manfred Riedel. In einer kontroversen Diskussion sagte er einmal: „Wenn mir mehrere Menschen gegenübersitzen, die anderer Meinung sind als ich, nutze ich das, um meine eigene Position zu hinterfragen.“

Dieser Gedanke begleitet mich bis heute. Gerade in Wissenschaft und Forschung geht es nicht darum, Recht zu behalten. Es geht darum, Erkenntnisse zu gewinnen und einer möglichst fundierten und belastbaren Wahrheit näherzukommen. Dieses Verständnis halte ich für besonders wertvoll.