Daten für grüne Ideen: Nachhaltigkeit digital erforschen
Ein Gespräch mit Miranda Gebhardt über Codes, Karten und Nachhaltigkeit in der Start-up Szene.
Wie lassen sich grüne Start-ups mithilfe von Daten besser identifizieren? Damit beschäftigt sich Miranda Gebhardt als studentische Mitarbeiterin im Forschungsbereich Sustainable Entrepreneurship bei Borderstep. Sie verbindet Nachhaltigkeitsforschung mit Computational Social Science und bringt Erfahrungen aus verschiedenen Ländern mit. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit mit Daten, ihrer Begeisterung für Karten und davon, was sie während ihres Studiums auf den Philippinen über Klimawandel und soziale Ungleichheit gelernt hat.
Miranda, stell dich bitte kurz vor. Was studierst du und wo?
Ich studiere im zweiten Semester Sustainable Transition an der Justus-Liebig-Universität Gießen und bin gleichzeitig im letzten Semester meines Masters in Computational Social Science an der Linköping Universität in Schweden.
Ursprünglich komme ich aus dem Allgäu, einer Region in Bayern, die für ihre Voralpenlandschaft mit Hügeln und Mooren bekannt ist. Aufgewachsen bin ich aber vor allem in Passau.
Und wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?
Kreativ, weltoffen, neugierig.
Kurz gefragt
Kaffee oder Tee? Kaffee.
Frühaufsteherin oder Nachteule? Nachteule.
Stadt oder Natur? Natur.
Buch oder Podcast? Podcast.
Sommer oder Winter? Sommer.
Lieblingsessen? Pfannkuchen.
Eine Sprache, die du gern lernen würdest? Chinesisch.
Einen Monat irgendwo auf der Welt, wohin? In die Anden.
Ein Wort, das dich beschreibt? Abenteuerlustig.
Zwischen Statistik und Nachhaltigkeit
Du studierst gleich zwei Masterstudiengänge. Wie kam es dazu?
Für Computational Social Science habe ich mich aus Lust an Statistik und mit dem Wunsch entschieden, Programmieren zu lernen. Mit Sustainable Transition wollte ich mich noch intensiver mit Nachhaltigkeit beschäftigen und gleichzeitig Methoden außerhalb der Sozialwissenschaften kennenlernen.
Welches Thema begeistert dich im Studium besonders?
Superinteressant finde ich Projekte, die lokale Lösungsansätze für Nachhaltigkeitsfragen aufzeigen. Zurzeit bin ich außerdem ein großer Fan von QGIS, einem Programm, das vor allem in der Geografie genutzt wird. Es macht unheimlich Spaß, Karten zu verschiedenen Themen zu erstellen.
Was macht dir an wissenschaftlicher Arbeit Spaß?
Kreativ an Probleme und Aufgabenstellungen heranzugehen und analytisches Denken anzuwenden.
Grüne Start-ups und Daten
Wie bist du auf Borderstep aufmerksam geworden?
Auf der Suche nach einem Studierendenjob in einem Bereich, der meinem Studiengang nahesteht, bin ich auf die Stellenanzeige bei Borderstep gestoßen. Ich wusste sofort, dass ich mir gut vorstellen kann, hier zu arbeiten.
Was hat dich besonders angesprochen?
Die Möglichkeit, meinen interdisziplinären Hintergrund mit einem starken Bezug zu Nachhaltigkeit einzubringen und gleichzeitig mein Wissen in der Datenanalyse mit R und Python anzuwenden.
Woran arbeitest du aktuell bei Borderstep?
Momentan arbeite ich daran, die Klassifizierung grüner Start-ups zu automatisieren. Dafür erstelle ich zunächst einen Webscraper, der Daten aus dem Internet sammelt. Diese werden anschließend mithilfe von lokaler KI oder Machine Learning ausgewertet.
Was unterscheidet die Arbeit bei Borderstep von deinen bisherigen Studien- und Arbeitserfahrungen?
Zum ersten Mal kann ich meine Kenntnisse aus dem Studium praktisch anwenden.
Und was hat dich bei Borderstep überrascht?
Meine super sympathischen Kollegen.
Nachhaltigkeit und soziale Fragen zusammendenken
Während deines Bachelorstudiums in Italien hast du vier Monate auf den Philippinen verbracht. Was hat dich dort besonders geprägt?
Der Unterschied zwischen den wohlhabenden Studierenden der privaten Universität Ateneo de Manila, die ich dort besucht habe, und der Armut auf den Straßen war schwierig mitzuerleben. Ich bin mir in dieser Zeit meiner eigenen Privilegien bewusst geworden und habe viel darüber gelernt, was es bedeutet, mit den Folgen des Klimawandels zu leben.
Werden Nachhaltigkeitsthemen auf den Philippinen anders diskutiert als in Deutschland?
Auf den Philippinen sind Nachhaltigkeitsfragen häufig noch stärker mit sozialer Benachteiligung verbunden. Es gibt dort Naturkatastrophen wie Erdrutsche und Überschwemmungen. Arme Menschen wohnen häufig in besonders betroffenen Gebieten. Eine mangelnde Infrastruktur, beispielsweise veraltete Abwasserkanäle, kann solche Probleme noch verstärken.
Themen wie Recycling oder nachhaltiges Reisen spielen dagegen eine kleinere Rolle. Dabei muss man bedenken, dass ein durchschnittlicher Mensch auf den Philippinen weniger Wasser verbraucht und einen kleineren CO₂-Fußabdruck hat als Menschen hier in Deutschland.
Was könnten wir in Deutschland von den Philippinen lernen?
„Bayanihan“ ist ein Begriff, der traditionell die Zusammenkunft einer Dorfgemeinschaft bezeichnet, um gemeinsam ein Bambushaus aufzubauen. Heute steht er allgemein für Zusammenhalt und Solidarität. Ich finde das ein großartiges Konzept, von dem wir uns hier ruhig eine Scheibe abschneiden dürfen.
Welche Rolle spielt internationale Zusammenarbeit bei Nachhaltigkeitsproblemen?
Eine wichtige. Zum Beispiel landet viel Müll aus Europa in Südostasien und damit auch auf den Philippinen. Lokale Lösungen sind wichtig, aber bei vielen Dimensionen der Nachhaltigkeit spielen globale Zusammenhänge eine große Rolle. Das muss aus meiner Sicht bei Lösungsansätzen berücksichtigt werden.
Zeichnen, Klettern und unterwegs sein
Was machst du gern, wenn du gerade nicht studierst oder arbeitest?
Am liebsten gehe ich bouldern, das mache ich schon seit über zehn Jahren mit Begeisterung. Ich zeichne auch sehr gern in mein Skizzenbuch. Malen und Zeichnen gehören seit ungefähr 15 Jahren zu meinen Lieblingsaktivitäten. Deshalb habe ich mein Abitur auch an einer Gestaltungsfachoberschule gemacht.
Weil ich schon viel im Ausland gewohnt habe, nutze ich meinen Urlaub oft, um alte Freunde in aller Welt zu besuchen.
Gibt es einen Ort, der dir besonders viel bedeutet?
Venedig, wo ich meinen Bachelor gemacht habe. Das ist auch eine großartige Studienstadt, auch wenn nach Corona wieder etwas zu viel los ist.
Und was würdest du gern noch lernen oder ausprobieren?
Ich wollte schon immer mal segeln gehen.
Blick nach vorn
Was motiviert dich, auch bei schwierigen Herausforderungen dranzubleiben?
Eine schwierige Herausforderung zu überwinden kostet oft viel Kraft, kann aber auch sehr erfüllend sein. Herausforderungen sehe ich als eine Chance, Neues zu lernen und die eigenen Grenzen auszutesten.
Welchen Rat würdest du anderen Studierenden geben, die sich für Nachhaltigkeitsforschung interessieren?
Es gibt viele Wege in die Nachhaltigkeitsforschung. Bleibt neugierig und nutzt die Angebote, die es an eurer Uni oder in eurer Region gibt.
